Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs
Black Yoga
Preorder
LP
Inspiriert von den sehr berührenden Erfahrungen auf der Tour zur Wiederveröffentlichung von Leichte Teile, Kleiner Rock Ende 2023, schlossen Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs (OZSWMK) den Zyklus mit dem Konzert-Album Livete Teile 2025 ab, besorgten sich wieder einen Proberaum und fingen an, frei von Vorannahmen, neue Musik zu entwerfen.
Joachim Franz Büchner wechselte von der Gitarre ans E-Piano, Thorsten Weßel, Tilman Heyden und Lars Horl behielten ihre Positionen an Bass, Gitarre und Schlagzeug, Carsten Hellberg spielte weiterhin Gitarre und sang, aber nicht mehr zeitgleich.
Fünf neue Songs entstanden, drei davon instrumental – eine alte Leidenschaft der Band, die der Musik Luft zum Atmen gibt. Gesang und Text entfalten sich in den beiden anderen, einer davon inspiriert von „Papa Was a Rodeo“ der Magnetic Fields.
Die bandeigene Sorgfalt ließ einige Zeit vergehen, bis die Songs im März mit Produzent Christian Mevs (der auch schon für die erwähnten letzten beiden Alben die Klanggestaltung übernahm) im Hamburger Concord Audio aufgenommen wurden und nun als 12-Inch-EP Black Yoga in Kooperation der Hamburger Labels Misitunes und Fidel Bastro erscheinen.
Für 2027 sind ein paar Auftritte geplant, währenddessen weitere Songs erarbeitet werden, und wenn es so läuft, wie geplant, wird es eine zweite EP geben. Und ähnlich wie 1998 mit Leichte Teile, Kleiner Rock ein Album, das beide EPs vereint.
Bis dahin heißt es aber erstmal in voller Überzeugung: Black Yoga!
Die Zeit und die Musik, das sind zwei seltsame Dinge. Schön seltsam, muss vielleicht vorausgeschickt werden. Aber seltsam nichtsdestotrotz. Beides kann man nicht festhalten. Aber eines von beiden braucht man immer, um sich am anderen festzuhalten.
Mit der Musik kann man sich widerständig in die Wände der Zeit stemmen, sie beschleunigen, sie verlangsamen, sie anhalten. Und in der Zeit lässt sich die Musik aufheben. Dort hat sie einen Ort, an dem sie ganz für sich ist, bis man sie ab und an mal besucht.
Was hat das alles mit diesen fünf Liedern zu tun, fragen Sie? Nun, das will ich Ihnen gerne sagen. Die Art, wie diese Gruppe diese Lieder spielt, wie dort gesungen wird, wie dort klar beschrieben wird, ohne die unangenehme Klarheit der landläufigen Vernunft, das passiert auf magische Art, neben der Zeit, also der Zeit zumindest, die von den Uhren ablesbar ist. Und doch hat diese Band und die Art, wie sie Lieder macht, einen Platz in der Zeit, besser: in meiner Zeit.
Oder noch besser: mehrere. Einen, der sehr lang her ist, einen, der heute ist und einen, der auf ein Morgen hofft.
Wie sich das alles anhört, das müssen Sie sich selbst anhören. Musik zu beschreiben ist so sinnlos, wie die Zeit zu malen, unmöglich und anmaßend.
Apropos anmaßend: Das sind diese fünf Lieder vielleicht auch. Allerdings im allerbesten Sinne. Denn sie geben uns eine Ahnung, wo wir vielleicht wirklich hingehören: in das wunderschöne Dazwischen, in die Lücken zwischen den Zeiten, zwischen den Gewissheiten. In unseren Traum von einem Leben. Und dort kommen wir eben nur hin mit so einer Musik. Mit Black Yoga.
In meinem Regal und meinem Herzen steht „Leichte Teile, Kleiner Rock“ von OZSWMK irgendwo zwischen Hot Snakes und Sonic Youth im Abteil der allertollsten Indie-Gitarren-Musik. Weil es, wie die anderen, viel mehr ist als tolle Gitarrenmusik – zeit-und ortlos, Klänge, Akkorde, Melodien und Worte haken sich so ineinander, dass am Ende alles fliegt und ich mit. Deswegen freut es mich extrem, dass da neue Musik ist und sie so intensiv leuchtet, als hätte es nie eine Pause gegeben – Grenzen und Zuschreibungen werden ignoriert und alles geht sehr tief. Eine neue Lieblingsplatte von einer Lieblingsband.
Die Suppenwürfel haben ihre eigene Zeit erfunden. Das lässt sich an ihrem Veröffentlichungsturnus ablesen wie in ihrer Musik hören. Die neuen Songs klingen wie aus allen Schaffensphasen zugleich: selbstausgedachtes Abiturienten-Spinnertum, international gültige Instrumental-Elegien und überzeitliche Klassiker, ein schillernder Raumgleiter, unterwegs im eigenen Universum.
Das ist souverän, berührend und euphorisierend. Vor allem ist es der Sound einer herrlich bemackten Gang, die sich für ihre Freundschaft, ihre Streitereien und Liebesweise eine eigene musikalische Sprache ausgedacht hat, mit eigenen Regeln, eigenem Hau und eigener Zeit.
Black Yoga, das ist Musik, die als erratische Wanderkarte für unsere blinden Flecken dient. Sie nimmt ihren Hörer mit auf Umwege durchs zugewebte Gras und über feuchten Boden, dorthin wo nur der Nebel Architekt ist. Als Wegmarken lumineszieren hier die fantastischen Gitarren einer Band, die zurück ins Neuland gefunden hat. Unterwegs auf ihrem völlig zugewachsenen Pfad, bewegen sich die Suppenwürfel mit traumwandlerischer Sicherheit in Rückwärtsschleifen vorwärts.
So good to hear new music from OZSWMK! Lean into the exuberance of „Flesch“ and „Paradeiser,“ and the ingenious rewrite (listen and discover) „Vater war ein Radio“ delivers serious chills.
OZSWMK bringen das, was sie vor 30 Jahren für sich erfunden haben, mit ins Jetzt. Und es klingt mindestens genau so frisch wie damals.
Was soll das?
Jens Rachut