Joachim Franz Büchner Band

Music For Lovers / Sterne im Krahnstöver

LP

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Music for Lovers / Sterne im Krahnstöver ist die im Januar 2027 erscheinende Doppel-LP der Joachim Franz Büchner Band, die zwei künstlerisch unterschiedliche Alben umfasst, mit einem Cast von über 30 Gaststars aus der Hamburger und überregionalen Underground-Pop-Musikszene (u.A. Erobique, Rocko Schamoni, Bernadette La Hengst, Andreas Dorau, Jens Friebe), die zu ihm nach Hause in das 250 Jahre alte Künstlerhaus am Fleet kamen und Joachims Super-Nova-Werk mitentwickelten.

So präsentiert das erste Album „Sterne im Krahnstöver“ mit seinen Postpunk-Chansons eine abenteuerlustige Erkundungs-Reise voller Hooks im Spannungsfeld zwischen extremer persönlicher Isolation und dem intensiven Sich-Verbinden. Das Pendant „Music for Lovers“, produziert mit Chris von Rautenkranz, führt die Richtung zu universeller epischer Popmusik fort, die JFB mit seinem zweiten Album Hits in the Dark einleitete.

Das Gesamtkonzept zieht eine melancholisch/kämpferische Analogie zwischen Liebesbeziehungen und der kostbaren und problematischen Beziehung zur Musik in der Jetzt-Zeit.

Linernotes vom Künstler

Seit Ende 2024 arbeite ich im rund 250 Jahre alten Krahnstöver-Haus am Fleet in der Hamburger Altstadt, das ich nach einer entwurzelnden Wohnungskündigung und komplizierten Suche durch freundschaftliche Beziehungen fand, an einem Doppel-Album-Projekt namens „Music for Lovers“, das sich mit den mir wichtigsten Themen, Liebe und Musik, sowie mit der Dialektik von Verbindung und Isolation auseinandersetzt. Mit 22 Stücken, einer Gesamtspielzeit von circa 80 Minuten und einem Reigen von 30 Kollaborateur*innen (u.A. Rocko Schamoni, Erobique, Bernadette Hengst in einem klassischen Duett oder die junge Punk-Band Feige Flittchen). Eine der beiden LPs, das purpurne Album, das so heißt wie das Gesamtkonzept, verfolgt die Richtung meiner letzten LP „Hits in the Dark“ (2024) mit ihren universelleren, von der TAZ als „epischer Pop“ bezeichneten Songs weiter, während das Pendant, die LP „Sterne im Krahnstöver“ (Das Türkise Album) einen individuelleren und noch erzählerischeren Ausdruck hat, eigenwillige Postpunk-Chansons präsentiert und in der zweiten Album-Hälfte beinahe in Prog-Rock-Manier – an WIRE’s 154 oder Bowies Station II Station erinnernd- Stile und Stimmungen verknüpft. Wie es im Song „Seltsame Hymnen“ heißt: „Irgendwo zwischen Barock und Punk“

The Great Lost Music for Lovers

„Was Du machst ist doch Liebhaberei“ sagte ein Freund zu mir und ich ärgerte mich fürchterlich darüber, weil ich mich doch professionell so ins Zeug lege und immer noch den verwegenen Wunsch habe viele Menschen zu erreichen. Schließlich dachte ich: „Ich kehre das jetzt um und stehe dazu, dass ich Musik für Liebhaber*innen mache!“ Der Titel „Music for Lovers“ erschien mir beim morgendlichen Aufwachen im Krahnstöver. Es kamen so viele Ideen, dass mir irgendwann klar wurde, dass ich den Raum eines Doppel-Albums benötige, um den Geist ganz aus der Flasche zu holen! Da meine Band in alle Winde zerstreut war, kam der Wunsch nach externer Zusammenarbeit auf und die Vision ein Fest der Kollaborationen zu begehen formte sich. Ich entwarf wie besessen Songs und traute mich zu fragen, wenn es mir passend erschien und immer mehr Gaststars sagten zu und erschienen leibhaftig in meinem neuen Zuhause zum Mitsingen, wo ich inzwischen ein kleines Studio eingerichtet hatte. Irgendwie hatte ich beim Machen dieses verlorene Gefühl, diese totale Aufregung wieder, das man aus der frühen Jugend kannte, wenn man seine Lieblingsplatten entdeckt hat und millionenmal hören musste.

Die Kreise des Krahnstöver

Das Artwork zeigt etwas von der größeren Erzählung, von dem Kreis, der sich schließt, dem offenen System, den Verbindungen mit den vielen Künstler*innen verschiedener Generationen. Dabei lernte ich viel über Songwriting und Produktion und es gingen durchaus Träume in Erfüllung, wenn bewunderte Musiker*innen ihre Parts zu meinen Kompositionen beisteuerten, wie Jens Friebe, der im „Vorletzten Lied“ mit Stimme und Klavier in einer Art Geisterbeschwörung einen verlorenen Freund verkörpert, der sich noch einmal aus dem Jenseits meldet. Oder Andreas Dorau, der in Rekordzeit den Song erfasste und ebenso schnell wieder zufrieden verschwand. Oder Friedrich Paravicini, der eines seiner exquisiten Streicherarrangements für „Ich kann nicht pfeifen“, mein Hochstapler-Duett mit meinem Show-Buddy Rocko Schamoni anfertigte und im Alleingang ein Orchester einspielte.

Zentral für “Music for Lovers” ist außerdem die Arbeit mit den renommierten Produzenten Chris von Rautenkranz, der viele Hamburger Lieblingsplatten meiner Jugend verantwortet, im Soundgarden/ Cloudshill Studio, Carsten Erobique Meyer, Experte für die Schnittstelle zwischen elektronischer Tanzmusik und deutschsprachigen Chansons, mit dem ich in seinem Studio am Fischmarkt den „Partysong für schlaflose Nächte“, unsere Version eines Italo-Pop-Hits erschuf und Helge Hasselberg, der gleichzeitig unkompliziert erfasst und meisterhaft verfeinert und vollendet. Es tat dann auch gut, dieses große Puzzle des Lebens, bevor es mir endgültig über den Kopf wuchs, in professionelle Hände abzugeben.

Indie für die Massen“

Der Titel „Music for Lovers“ zieht eine Analogie zwischen Liebesbeziehungen und der Beziehung zur Musik und den Menschen, mit denen man Kunst macht.

Das Stück „The Early Years“ beispielsweise erzählt mit liebevoller Distanz eine Coming-of-Age-Story à la „Into the Great Wide Open“ eines jungen Musikers, der mit seiner Band in die Szene stürmt mit frühen Triumphen, Größenwahn, Enttäuschungen und Verlusten („wir waren sicher, dass wir immer zusammenbleiben“), allerdings im Stil eines Indie-Bangers aus den frühen 2000ern mit Gaststars Paul Pötsch von Trümmer und den Feigen Flittchen.

Im Herz von „Sterne im Krahnstöver“ ist der Epos „Indie für die Massen“: eine Verdichtung des Zweifels, der auf den Glauben trifft, zwischen tragikomischer Resignation und unerschütterlichem religiösen Glauben an die Kraft der Musik (die hier rhapsodisch von einer Choral-Miniatur zu experimentellerem Post-Punk mutiert und schließlich in ein schwelgerisch-sakrales Finale kulminiert). Es ist dieser Glaube und Wille, der einen dazu bringt weiterzumachen, trotz immer schwierigerer Bedingungen und vergeblicher Bemühungen um Aufmerksamkeit. Am Ende fragt es im kontrapunktischen Finale:  „Indie für die Massen oder Music for Lovers?“

Die Underground-Rock-Oper „Konzert in der Pyramide“ fungiert als Showdown des gemeinsamen Musik-Erlebens, wo an unserem geliebten geheimen Ort in Hamburg alle Akteure zusammentreffen, inklusive einer szenischen Live-Reportage und Bananarama-Hommage: Flittchen meet Rocko!

Ich verbinde mich mit Euch“

„Music for Lovers“ thematisiert auch den Widerstreit der Sehnsucht nach Einsamkeit, dem sich Zurückziehen zum Reflektieren, Lesen und Arbeiten, einerseits, und der Wichtigkeit des Aufstehens, Zusammenkommens und des Austauschs, der Kommunikation mit und in der Musik.

Live habe ich das Ganze bereits reduziert umgesetzt, im Duo mit Anna Suhr, die auch auf vielen Stücken der Platte mitsingt und spielt. Besonders faszinierend fand ich dabei, wie plastisch der Song „Chopin in Kentucky“, der einen Typen portraitiert, der in Hamburg „hängengeblieben ist“, neulich im Hamburger Club „Westwerk“ wurde. Knarf Rellöm kam zu seinem Gastauftritt auf die Bühne und das Publikum wurde Zeuge wie er nach dem Beat-Drop dem Protagonisten mit einer Spoken-Word-Tirade den intendierten liebevollen Arschtritt gab.

Das zeigte für mich das äußerst vitale und verbindende Element dieser Platte, die trotz aller Widrigkeiten Verbindungen sucht, Hoffnung schafft und ein Dokument der Liebe und Aufopferung für unsere Sache und eine bessere Zeit ist. Ich behaupte mal: Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig sich Raum und Zeit zu nehmen, ja, zu erstreiten, wenn man Wert darauf legt eindrücklich zu sein und facettenreich gehört werden möchte. Ein Doppel-Album mag irrational und pompös wirken, aber es ist etwas Besonderes, ein Zeit-Dokument mit einer eigenen Atmosphäre, das eine anschauliche und nachempfindbare Geschichte erzählt, das glaube ich schon. In ihrer hoffentlich dringlichen Alchemie stellen die Musik und die Texte wichtige Fragen und bringen Gefühle und Zustände auf den Punkt. Genau wie es im Song „Breaking Hearts“ heißt:

Solange es die Magie zumindest in der Einbildung noch gibt, reicht das zum Überleben.“

Aber es wirft noch die provokante Frage hinterher:„Reicht das zum Leben?“

Joachim Franz Büchner, Hamburg, 2026




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Veröffentlichungsdatum: 
29.01.2027

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